
Zum Auftakt in das Jubiläumsjahr leitete Carsten Linker, Vorstand Ressort Risk Management, in den VDT Risk Day ein. „Mit dem Risk Day bietet der VDT seinen Mitgliedern wieder eine Präsenzveranstaltung, die der Zielsetzung des VDT nachkommt und Wert auf fundierte inhaltliche Diskussionen legt als auch auf ein intensives Networking setzt“, eröffnete Carsten Linker die Agenda des Tages.
Gleich zu Beginn des VDT Risk Days ging es mit einer inspirierenden Erfolgsstory 20 Jahre in die Vergangenheit. Carlo Kölzer, CEO von 360T, heute ein Teil der Deutsche Börse Gruppe, berichtete vom Ursprung einer genialen Idee in der elektronischen Unterstützung des FX-Handels, den Anfängen eines Startups und dem Weg zum ersten wirklich großen Fintech in Deutschland – lange bevor der Begriff Fintech in einer Digitalisierungswelle überhaupt geprägt wurde.
„In seiner Garage“ hat Carlo Kölzer mit einfachem technischem Equipment, aber umso mehr Ansporn, Überzeugungswillen und Verkaufstalent, die Idee einer elektronischen Handelsplattform aufgebaut und mit Ausdauer erste Corporates als auch Banken zum Trading „überzeugt“. Nachdem der Start gesetzt war, entwickelte sich aus der Pionier-Idee eine Plattform mit 134 Kunden im Jahr 2005 und damit eine technische Lösung, die heute nicht mehr wegzudenken wäre. 2022 sind bereits 2300 Kunden mit global 50.000 Tickets pro Tag bei Geschäftsabschlüssen über 360T dabei.
In seiner Präsentation kam auch der Gründergeist zum Ausdruck, der benötigt wird, ein neues, normveränderndes Business entgegen der Veränderungsschwerfälligkeit eines existierenden Finanzsystems aufzubauen. Dabei wurden die benötigten Fähigkeiten des Entrepreneurs deutlich, aber auch die Bedeutung von Early Adoptern und vielleicht umso mehr auch das Verhandlungsgeschick, die Vorteile der Transparenz für die Corporates in den Anbahnungsverhandlungen mit der Bankenseite als Competitive Advantage zu drehen.
Spätestens nach der abschließenden Q&A-Runde waren die Teilnehmenden des Risk Days auf eine Agenda mit aktiven Experience Workshops als auch Offenheit zum Networking eingestellt.
In den vier Workshoprunden zu “Zinsrisikomanagement (be)greifbar machen” konnten sich alle Teilnehmenden zu den Bereichen Risikoidentifikation & Quantifizierung, Management & Absicherung sowie Reporting & Performance austauschen. Auch aufgrund der unterschiedlichen Hintergründe der Workshopteilnehmenden kamen eine Vielzahl von Perspektiven zum Thema Zinsmanagement in den Diskussionen hervor. Besonders gut gefiel die Vielzahl an konstruktiven Beiträge, die offen und entspannte Gesprächsatmosphäre.
Der Workshop „Rohstoffrisiko – “Quo vadis” gab nicht nur einen aktuellen Überblick über die derzeitigen Marktgeschehnisse, die durch die Ukraine-Krise sehr viele Verwerfungen aufzeigen, sondern versuchte auch einen Ausblick auf das zu wagen, was kommen könnte (natürlich mit all den Unsicherheiten wie wir sie im Risikomanagement kennen). Besonders interessant war der Vortrag von Herrn Goerdt (Group Treasury, Aurubis), der einen Einblick gewähren ließ, wie Aurubis in der Praxis das Hedging von Rohstoffrisiken behandelt. Die anschließenden Diskussionen zeigten auf, das Rohstoffrisiko nach wie vor ein Thema ist, welches viele Unternehmen in der einen oder anderen Weise betrifft und welches nicht zu unterschätzen ist.
Getreu des Workshop-Titels “Währungsmanagement im Wandel der Zeit“ wurde in vier Sessions, basierend auf einem einleitenden Impulsvortrag, im Rahmen einer Podiumsdiskussion munter über die Erfahrungen und aktuelle Entwicklungen diskutiert. Dabei fand der Austausch entlang des klassischen Risikomanagement-Prozesses zu Praxiserfahrungen, Aspekten der Digitalisierung wie auch potenziellen Herausforderungen und Hemmnissen bezüglich der zukünftigen Weiterentwicklung statt. Einen besonderen Schwerpunkt in den Diskussionen nahmen die Themen Automatisierung und Präzision der Exposureermittlung, Nutzung von Handelsplattformen, aber auch die Notwendigkeit einer Performance-Messung als integraler Bestandteil der definierten und umzusetzenden Währungsmanagementstrategie ein.
Im Workshop „Die WKV – effizientes und bedarfsgerechtes Management von Risiken im internationalen Warenverkehr“ diskutierten die Anwesenden aktiv in drei Gruppen die Optionen der Beendigung oder Optimierung eines Kreditversicherungsprogramm, sowie eines Hybrid Modells. Im Anschluss stellten die einzelnen Gruppen dem Plenum ihre Ergebnisse vor. Insgesamt schien das Kontrahenten-Risikomanagement für viele Treasurer noch ein Randthema zu sein. Die Pandemie hat aber verdeutlicht, dass viele Themen schnell in den Fokus rücken können und so sollte auch dieses Risiko aktiv gesteuert und bewertet sowie ein Kreditversicherer z.B. bewusst in eine bestehende Bankenkommunikation eingebunden werden. Der Risk Day zeigte, dass die Aufnahme des Themenbereiches in das VDT Ressort Risk Management positiv gesehen wird.
Nach der Durchführung aller Workshops kamen das Auditorium für die abschließende Podiumsdiskussion wieder im Plenum zusammen. Desirée Buchholz (Digital Editorial Marketing Manager bei der Deutschen Bank) begrüßte neben den Workshopleitern des Tages auch Hans-Jörg Mast (Senior Vice President Corporate Finance, CLAAS KGaA mbH sowie Verwaltungsratsmitglied vom VDT) unter den Diskutierenden. Thema des Podiums war die Zusammenführung der Ergebnisse des Tages in ein ganzheitliches Finanzrisikomanagement. Dazu hat Frau Buchholz mit den Referenten einleitend über die Herausforderungen aus den aktuellen Krisen, wie Corona und dem Krieg in der Ukraine diskutiert. Im weiteren Verlauf lagen die Schwerpunkte auf den Interdependenzen, der integrierten Steuerung sowie die Digitalisierung im Finanzrisikomanagement.
Zum Abschluss des Events haben die Anwesenden den frühen Abend zum Netzwerken und einer spannenden Stadionführung genutzt.










