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VDT Ressort Risk Management: Diskussionen und Fragen, die aktuell die (Treasurer-)Welt beschäftigen:

Die jüngsten Entwicklungen des EUR bspw. gegenüber dem USD und die aktuell anhaltende Parität, bislang unbekannte Dimensionen bei Energiekostensteigerungen wie auch der Anstieg des Zinsniveaus und die wiedererwachte Inflation führen zu diversen Herausforderungen als auch neuen Fragestellungen in Unternehmen. Wir haben hierzu ausgewählte Fragen als Denkanstöße zusammengestellt, die nicht nur isoliert je Risikofaktor betrachtet werden sollten. Sie sollen vielmehr als zusammenhängende Verbindungen und gegenseitig abhängiges Konstrukt erkannt werden.

 

Fremdwährung

 

Nicht nur die bilanzielle Betrachtung des Translationsrisikos, doch vor Allem das Auseinanderfallen von Bewertungen im Jahresverlauf stellen finanzielle Risiken dar, welche im jeweiligen Einzelfall detailliert beleuchtet werden sollten:

  • Wie stellt sich die Bewertung von Beständen und Vorräten dar?
  • In welchen Währungen werden Assets gehalten (bspw. Wertpapiere, Beteiligungen, etc.) und in welcher Währung erfolgt die jeweilige Gewinnbeteiligung? Sind hierauf Cash-Flows aus Finanzierungen abgestellt?
  • Wie wirkt sich die Kursänderung auf künftige Geschäftsbeziehungen aus? Wie werden Preise für Produkte im Unternehmen kalkuliert und (wann) können Preisanpassungen erfolgen? Sind Währungsverwerfungen antizipiert?
  • Sind die Entwicklungen in der Working Capital Planung der einzelnen (Tochter-)Gesellschaften berücksichtigt und reicht der Puffer aus, um den sich daraus ergebenden Verpflichtungen nachzukommen?
  • Wie sind bestehende Darlehen abgesichert? Gibt es Swap-Geschäfte, welche zu Bewertungsdifferenzen führen können?

 

Energiepreise

 

Die Energiepreise entwickeln sich gegenwärtig rasch und unberechenbar. Oftmals zu Lasten der Marge, ein systematisches Risikomanagement kann temporär Abhilfe schaffen. Dabei geht es nicht nur um die Steuerung der originären volatilen Marktpreisrisiken, sondern auch um den Umgang mit operationellen Risiken. Akteure im Rohstoffmarkt sind aktuell durch ihre Positionierung oftmals entweder stark „Cash Rich“ oder mit regelmäßigen sog. „Margin Calls“ konfrontiert. Im Folgenden werden einige Denkanstöße aufgeführt, die Treasury-seitig in diesem Zusammenhang Beachtung finden sollten:

  • Führt die Energiepreisentwicklung zu Anpassungsbedarf in der

a) Liquiditätsplanung (erhöhte Aufwendung/ Erträge),

b) Finanzierungsplanung/-bedarf (bspw. Erhöhung als auch Flexibilisierung des Finanzierungsbedarf z.B. in Folge gestiegener Aufwendungen/ Margin Calls) und

c) Anlagesteuerung (Diversifizierung der Geldanlage in Bezug auf Kontrahenten, Instrumente und Märkte; in z.B. Tages-/Termingelder, Geldmarktfonds, Commercial Paper)

 

  • Führt die Energiepreisentwicklung zu Anpassungsbedarf von Beschaffungs- und/oder Absatzverträgen z.B. Risikoumwälzung durch beschaffungs- und absatzseitige Preisgleitklauseln, referenzierend auf gleiche Indizes. Hier bitte auch das Thema Sanktionsscreening beachten.
  • Inwiefern sind Kennzahlen/KPIs bspw. kommunizierte Finanzkennzahlen (hier auch Covenants), die Planliquidität in der Liquiditätsplanung oder die Risikotragfähigkeit noch aktuell?
  • Inwiefern wird das Kontrahentenausfallrisikomanagement (Kreditrisiko) gesteuert bspw. mittels ratinginduzierte Kontrahenten-Diversifikation (insbesondere in der Anlage aber auch im Handel)?

 

Zinsänderungen

 

Nach jahrelangem Sinken der EUR-Zinsen auf bzw. auch unter die Null-Linie, ändert sich die Zinslandschaft aktuell immens. Spannend wird es besonders dann, wenn Zinsänderungen nicht nur isoliert sondern verknüpft mit anderen Risikofaktoren analysiert, bewertet und gesteuert werden:

  • Grundsätzlich gilt: Kenne ich als Unternehmen die auf das Unternehmen wirkenden Zinsrisiken? Können Zinsrisiken (variabel wie auch festverzinsliche Positionen) hinreichend genau quantifiziert werden?
  • Sind Veränderungen des Zinsniveaus in der Liquiditätsplanung ausreichend abgebildet? Bspw. bei variabel verzinslichen Krediten - sind die erhöhten Zinszahlungen als erhöhter Cashout erfasst?
  • Können bspw. alle Zins- und Tilgungsverpflichtungen aufgrund des Zinsanstieges vollständig und pünktlich bedient werden?
  • Welche Auswirkungen ergeben sich bspw. auf Covenants bei bestehenden Finanzierungen? Wie kann sich das Unternehmen zukünftig refinanzieren?
  • Wie wirkt sich die Zinsveränderungen im Rahmen von CTAs aus?
  • Wie verändern sich Marktwerte von gehaltenen Wertpapieren sofern die Zinsen noch weiter steigen?
  • Und vor allem: Haben alle Banken auf EUR-Konten die Guthabengebührenberechnung beendet?

 

Auswirkungen auf die finanzielle Stabilität - Finanzrisikomanagement

 

Die beschriebenen Effekte aus FX-, Zins- und Rohstoffpreisentwicklungen treffen auf weitere damit im Zusammenhang stehende Risikofaktoren, welche sowohl direkt als auch indirekt eine Auswirkung auf die finanzielle Stabilität haben. Hier sind beispielsweise Währungskursentwicklungen und -volatilitäten, Lieferkettenveränderungen sowie die Inflationsentwicklung zu nennen. All diese Risiken wirken sich nicht nur auf das Unternehmen selbst, sondern auch auf die eigenen Geschäftspartner mit den damit verbundenen Implikationen aus. Nachfolgend sind Fragestellungen aufgeführt, welche die potenziellen Auswirkungen thematisieren. Hierbei sind – wie oben beschrieben – die Risiken nicht isoliert, sondern als gesamthafte und voneinander abhängige Faktoren zu betrachten.

  • Besteht sowohl für die finanziellen und nicht -finanziellen Kontrahenten ein regelmäßiger und strukturierter Risikomanagementprozess?
  • Sind die wesentlichen Kontrahenten bekannt und werden diese unternehmensweit über alle Funktionsbereiche (u.a.: Vertrieb, Einkauf, Beschaffung, Finance) betrachtet?
  • Besteht ein systematischer Austausch mit den relevanten Unternehmensbereichen (bspw. Einkauf, Vertrieb, Beschaffung) über Entwicklungen der Kontrahenten sowie deren finanziellen und nicht-finanziellen Leistungsbeziehungen?
  • Ist die generelle finanzielle Situation sowie das Geschäftsmodell und die Auswirkung der genannten Risikofaktoren von wichtigen Lieferanten und Kunden bekannt? Wird diese regelmäßig analysiert und aktualisiert?
  • Welche Auswirkung haben spezifische Risiken (bspw. Energiepreiseffekte, Lieferkettenverzögerungen) auf die Kontrahenten und damit indirekt auf die eigene Situation?
  • Sind Veränderungen von Lieferketten oder Energiepreisentwicklungen angemessen in der Finanz- und Liquiditätsplanung berücksichtigt? Was würden bspw. längere Produktionszeiten für die Liquidität, das Working Capital und den Finanzierungsbedarf bedeuten? Was bedeutet der Ausfall eines zentralen Lieferanten für die Produktionsprozesse und damit im Weiteren für die geplanten Umsätze?
  • Bestehen Szenariorechnungen und Analysen für strukturelle Veränderungen der Lieferanten und Kunden mit deren Wirkung auf die Liquidität und Finanzierungssituation? Berücksichtigt die Liquiditätsplanung Auswirkungen aus den genannten Risiken und bestehen definierte Szenarien?
  • Ergeben sich Anpassungen im Garantiemanagement, dem Factoring oder den Supply-Chain Financing Programmen aufgrund der sich verändernden Bonität der Geschäftspartner? Sind die gewählten Programme und Instrumente angemessen für die sich verändernde Situation? Welche Auswirkungen hat dies auf die eigene Finanzierungsstruktur?

 

#vonTreasurernfürTreasurer

7. September 2022

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