Resümee der VDT-Fachtagung Cash & Liquidity: „Die Zukunft ist da - was n(t)un?"

Die Fachtagung des Ressorts Cash & Liquidity in Frankfurt am Main war mit den Themen rund um die weitere Digitalisierung im Treasury am Puls der Zeit. Von praktischen Anwendungen bis zu visionären Themen war für jeden etwas dabei. Neben der Automatisierung der Liquiditätsplanung mittels Predictive Analytics, der automatischen Abstimmung von Kontoumsätzen und der Anwendung von generativen Sprachmodellen (Large Language Models) im Bankenumfeld ging es auch um die Automatisierung mittels API-Kommunikation und um digitale Geldformen und deren Potential, die Welt des Zahlungsverkehrs zu revolutionieren.

In spannenden Vorträgen, Diskussionen und interaktiven Workshops tauchten die Teilnehmer in die Welt der Künstlichen Intelligenz (KI) ein und konnten sich durch konkrete Anwendungen der Vortragenden aus der Praxis ein Bild zum aktuellen Entwicklungsstand verschaffen.


KI im Treasury der Gegenwart und der Zukunft

 

Edward J. Achtner (HSBC) zeigte in der Key-Note des Tages deutlich, welche unterschiedliche Strategien Unternehmen in Bezug auf den Einsatz von KI verfolgen. Schon jetzt gibt es einige Unternehmen, die KI-basierte Applikationen im Einsatz haben. 

Ein Großteil der Teilnehmer der Fachtagung stand der neuen Technologie – nicht zuletzt durch die Nutzung im privaten Umfeld – sehr aufgeschlossen gegenüber und sah praktische Vorteile in der Anwendung von Künstlicher Intelligenz. Nicht nur bei alltäglichen Arbeitsprozessen, sondern insbesondere in der Unterstützung der Vor- und Aufbereitung von Analysen und Prognosen stecke nach Einschätzung der Treasury-Experten ein enormes Potential dieser Technologie. Allerdings wurde vielfach darauf hingewiesen, dass die von der KI generierten Ergebnisse auf keinen Fall unkritisch genutzt werden dürften, besonders in der Phase in der die KI noch „lerne“ und nicht voll ausgereift sei. Nicht zuletzt ginge es um die Haftung für die aus den KI-generierten Ergebnisse. Auf Sicht sei es dringend angezeigt, diese Ergebnisse durch einen menschlichen Experten prüfen und validieren zu lassen, so das Resümée.

Das Ergebnis der Fachtagung: Jeder Berufszweig sei aufgefordert für sich zu analysieren, wo KI sinnvoll zum Einsatz kommen und auf welche Weise sie die Arbeit erleichtern könnte, so die Anwesenden. Unternehmen müssten für den Einsatz von KI einen sicheren Rahmen bereitstellen. Aufgrund des Fachkräftemangels würden viele Teilnehmer die KI als Möglichkeit sehen mit der zunehmenden Arbeitsbelastung in einem stabilen Team besser umzugehen.

Viele dieser Aspekte fanden sich am Nachmittag im Workshop „AI is here, it is there, it is everywhere and it is here to stay” wieder. Es zeigte sich, wie intensiv sich manche Teilnehmer bereits mit den unterschiedlichsten Formen der AI beschäftigen: Sei es bei der täglichen administrativen Arbeit zur Zusammenfassung von Meetings oder der Erstellung von Texten sowie bei der Nutzung für fachspezifische Anwendungen wie der Liquiditätsplanung, der Verhinderung von Betrug oder dem Ausziffern von Kontoauszügen. Die rege Diskussion zwischen den drei Referenten Edward J. Achtner (HSBC), Niklas Hasselfeldt (Winterhalter Gastronom GmbH), Prof. Dr. Andreas Uphaus (Hochschule Bielefeld) und den Workshopteilnehmern hätte durchaus noch einige Stunden weitergehen können.

 

Konkrete Anwendungsfälle aus der Praxis

 

Im Rahmen der Podiumsdiskussion „Liquiditätsplanung mit Predictive Analytics“ mit Adél Egger (Messe München), Sven Erik Ebel (KARL MAYER Holding SE & Co. KG) und Prof. Dr. Andreas Uphaus (Universität Bielefeld) wurde gezeigt, dass eine solide Datenbasis Voraussetzung für die erfolgreiche Nutzung von KI ist und dass 80 Prozent des Arbeitsaufwands in die Analyse dieser Datenbasis einfließt. Mit einer soliden Datenbasis könne der zeitliche Aufwand zur Erstellung der Liquiditätsplanung deutlich reduziert werden und die Qualität teilweise sogar jene der manuellen Planung übersteigen. In den nächsten Wochen wird der VDT ein Best-Practice-Paper des Ressorts Cash & Liquidity mit dem Titel „KI in der Liquiditätsplanung – Wie fange ich an?“ veröffentlichen, in dem das Thema detailliert beleuchtet und konkrete Handlungsempfehlungen geben werden.

Ein konkretes Ergebnis brachte auch der Vortrag „KI-basierte Kontoumsatz-Reconciliation – ein Erfahrungsbericht“ von Niklas Hasselfeldt (Winterhalter Gastronom GmbH). Im Rahmen eines Projektzeitraums von nur vier Monaten konnte der Auszifferungsgrad der Kontoauszüge auf über 90 Prozent erhöht, manuelle Schritte eingespart und der Prozessablauf optimiert werden. Dieser Vortrag zeigte, wo die Reise hingeht: hin zur Optimierung der Prozesse durch eine Kombination von Regeln und Künstlicher Intelligenz, der Vermeidung manueller Tätigkeiten und dem Fokus auf die Kontrolle des Prozesses und die Ausnahmefälle, die final noch eine manuelle Nachbearbeitung erfordern.

 

API macht Realtime Treasury möglich

 

Trotz oder wegen der bereits vielfältigen Möglichkeiten, mit Banken Zahlungsinstruktionen und Kontoinformationen auszutauschen, ist das Bestreben einer technologisch weiterentwickelten und bankenunabhängigen Kunde-Bank-Kommunikation ungebrochen. Damit beschäftigte sich der Workshop „API als alternative Zukunft der Bankkommunikation“. API steht für „Application Programming Interface“, also eine Anwendungsprogrammierschnittstelle, die es verschiedenen Softwareanwendungen ermöglicht, miteinander zu kommunizieren. Dirk Schreiber (BioNTech SE) stellte seine ersten praktischen Erfahrungen mit JP Morgan und der Deutschen Bank vor und machte konkrete Vorteile deutlich: Mit diesen beiden Banken sei BioNTech nun auf eine Weise verbunden, die Realtime Treasury in greifbare Nähe rücke. Statt ein MT942 Intraday Reporting zu erhalten, lägen die Kontoinformationen für diese beiden Banken nun online und real-time vor. Allerdings sei es für eine breite Nutzung notwendig, zwischen den Parteien Standards zu etablieren, die klare Regeln definierten. Genau hier setzt der VDT-Arbeitskreis „API“ an: Der Arbeitskreis engagiert sich für die API-Standardisierung, damit Lösungen wie die zwischen BioNTech und den beiden Banken keine Insellösungen bleiben.

 

Potential von digitalem Geld heben

 

Die Formen und Technologien, um Geld zu digitalisieren, werden immer vielfältiger. In diesem Kontext stellte Claus George (DZ Bank) im Workshop „Digitale Geldformen und ihre zukünftige Rolle im Treasury“ den Commercial Bank Money Token (CBMT) vor – eine DLT/Blockchain-basierte, digitale Währung, die von kommerziellen Banken emittiert wird. Diese könne dazu beitragen, dass der Zahlungsverkehr zukünftig bankenunabhängig durchgeführt werde (Wallet-to-Wallet) und helfe dabei, die Potentiale der weiteren Digitalisierung mittels Smart Contracts zu heben.

Andreas Joest und Heinz-Günter Lux (Evonik Digital GmbH) machten an ihrem Unternehmen konkret deutlich, was besonders im eng verflochtenen Netz der Chemieindustrie – hier gibt es zahlreiche wechselseitige Geschäftsbeziehungen – mit Hilfe vom CBMT möglich ist: die automatische Ausführung von Zahlungen, gesteuert über einen Smart Contract, ebenfalls Smart Contract gesteuerte Früh- oder Spätzahlungen sowie Garantieleistungen, die unter Eigentumsvorbehalt an den Empfänger gezahlt werden. Ramin Ghafari (Siemens AG) führte aus, dass der CBMT auf der Finanzierungsseite genutzt werden könnte, um beispielsweise bei digitalen Wertpapiertransaktionen, die unter das Gesetz über elektronische Wertpapiere (eWpG) fallen, das Cash Leg beziehungsweise Settlement mit digitalen Giralgeld (in Euro) durchzuführen. Die Referenten betonten, in der CBMT-Technologie stecke eine Menge Potential – hier gelte es, Begeisterung zu entfachen und Mitstreiter auf Corporate- und Bankseite für eine Mitwirkung und Nutzung zu gewinnen. Kommerzielle Interaktionen könnten so auf ein neues Level gehoben werden.

Zum Ausklang der Veranstaltung hatten die Teilnehmer bei Snacks und Getränken viel zu besprechen und zu diskutieren. Die Fachtagung hat mal wieder gezeigt, wie dynamisch die Entwicklungen im Treasury sind und dass die neuen Technologien viel Potential für die Evolution einer professionellen, effizienten und risikomitigierenden Treasury-Organisation bieten.

 

Wir bedanken uns herzlich bei den Mitwirkenden, dass sie zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen haben sowie den Teilnehmern für das positive Feedback.

 

Die Präsentationsunterlagen zur Fachtagung stehen den VDT-Mitgliedern ab sofort in der Bibliothek zur Verfügung.