Mehrseitige camt-Dateien: Treasury-Systeme auf Pagination prüfen

Umfangreiche Kontoauszüge im camt-Format können auf mehrere Seiten innerhalb einer Datei oder auf mehrere separate Dateien verteilt werden. Diese sogenannte Pagination ist im ISO-20022-Umfeld seit Langem vorgesehen. Für Unternehmen stellt sich deshalb die Frage, ob ERP-, TMS- und Konverterlösungen zusammengehörige Seiten zuverlässig erkennen und vollständig verarbeiten. 

Keine neue Formatfunktion – aber ein relevantes Verarbeitungsthema 

Mit der zunehmenden Nutzung von ISO-20022-basierten Kontoauszugsformaten rückt ein technisches Detail stärker in den Fokus: Kontoinformationen im Format camt.053oder camt.054 müssen nicht zwingend  als ein einzelnes, ungeteiltes Statement bereitgestellt werden. Bei großen Datenmengen können die Informationen auf mehrere Seiten verteilt werden. 

Die internationalen CGI-MP-Empfehlungen beschreiben sowohl die  Pagination mehrerer Seiten innerhalb einer einzelnen Datei als auch die Bereitstellung einzelner Seiten in separaten Dateien. In letzterem Fall enthält jede Datei eine eigenständige camt-Nachricht mit eigenem Group Header. 

Anlass für Pagination können insbesondere Größenbeschränkungen des verwendeten Kommunikationskanals oder Vorgaben des jeweiligen Bank- bzw. Zahlungsverkehrssystems sein. Ein konkretes Beispiel liefert T2, die zentrale Zahlungsverkehrsplattform des Eurosystems für die Abwicklung von Großbetragszahlungen: Nach Angaben der Deutschen Bundesbank werden dort Kontoauszüge mit mehr als 32 Megabyte – dies entspricht ungefähr 32.000 Buchungen – in mehrere camt.053-Nachrichten aufgeteilt. 

Besonders relevant kann Pagination daher bei Konten mit sehr hohen Transaktionszahlen sein, etwa im Umfeld von Payment Factories, Plattformgeschäft, Acquiring, Massenzahlungen oder zentralen Sammelkonten. 

Es handelt sich damit nicht um eine grundsätzlich neue Funktion des camt-Formats, sondern um eine seit Langem vorgesehene Verarbeitungsoption.  

Aus den öffentlich verfügbaren Unterlagen lässt sich derzeit nicht ableiten, dass Banken Pagination zu einem einheitlichen Zeitpunkt oder nach einheitlichen Schwellenwerten einsetzen. Nach Hinweisen von VDT-Mitgliedern haben einzelne Banken hierzu bereits entsprechende Spezifikationen bereitgestellt. Unternehmen sollten das Thema daher in ihre Tests und Abstimmungen mit Banken und Systemanbietern aufnehmen. 

Wie zusammengehörige Seiten gekennzeichnet werden 

Die Pagination wird bei camt.053 innerhalb des Kontoauszugs über das Element <StmtPgntn> („Statement Pagination“) abgebildet. Wesentliche Elemente beziehungsweise Merkmale für die Zuordnung zusammengehöriger Seiten sind: 

  • Seitennummer <PgNb>,  
  • Kennzeichen für die letzte Seite <LastPgInd>,  
  • Auszugsidentifikation <Id>,  
  • elektronische Sequenznummer <ElctrncSeqNb>,  
  • Kontoidentifikation <Acct> 
  • Message ID <MsgID> 

Die erste Seite beginnt mit der Seitennummer 1. Weitere Seiten werden fortlaufend nummeriert.  <LastPgInd>false</LastPgInd> zeigt an, dass mindestens eine weitere Seite folgt; <LastPgInd>true</LastPgInd> kennzeichnet die letzte Seite.  

Bei einem mehrseitigen Auszug bleiben Auszugsidentifikation und elektronische Sequenznummer grundsätzlich über die Seiten hinweg gleich, während sich die Seitennummer ändert. Auch die Kontoidentifikation ermöglicht die fachliche Zuordnung der Seiten zum jeweiligen Konto. 

Bei einer Bereitstellung in separaten Dateien kann jede Seite als eigenständige, syntaktisch vollständige XML-Datei mit eigenem Group Header übermittelt werden. Ein Kontoauszug kann folglich aus mehreren technisch separaten Dateien bestehen, die fachlich einen gemeinsamen Auszug bilden. 

XML-Dateien nicht einfach aneinanderhängen 

Die häufig verwendete Formulierung, die Dateien müssten „wieder zusammengefügt“ werden, kann missverstanden werden. Mehrere vollständige XML-Dateien dürfen nicht  einfach zu einer neuen XML-Datei aneinandergehängt werden, da jede Datei ein eigenständiges XML-Dokument darstellt. 

Erforderlich ist vielmehr eine logische Zusammenführung in der Verarbeitung: Das empfangende ERP, TMS oder ein vorgeschalteter Konverter muss erkennen, welche Seiten zu demselben Kontoauszug gehören, und sie in der richtigen Reihenfolge als eine fachliche Einheit behandeln. 

Fehlt diese Funktion, können unter anderem folgende Probleme entstehen: 

  • einzelne Seiten werden irrtümlich als eigenständige Tagesauszüge verarbeitet,  
  • Buchungen fehlen, weil Folgeseiten nicht importiert werden,  
  • verspätet eintreffende Seiten werden nicht mehr dem ursprünglichen Auszugzugeordnet,  
  • Seitenbezogene Zwischen- bzw. Interim-Salden werden irrtümlich als endgültige Tagesendsalden interpretiert.,  
  • doppelt übertragene Seiten führen zu Doppelverarbeitungen oderDoppelbuchungen,  
  • ein unvollständiger Auszug wird vorzeitig als vollständigabgeschlossen.  

Was Treasury-Abteilungen jetzt prüfen sollten 

Unternehmen sollten gemeinsam mit Accounting, IT und ihren Softwareanbietern klären, ob die eingesetzten Systeme mehrseitige camt-Nachrichten bzw. paginierte Kontoauszüge unterstützen. Die Prüfung sollte sich nicht nur auf die grundsätzliche Importfähigkeit beziehen, sondern auch auf Ausnahmefälle und Fehler. 

Empfehlenswert sind Tests mit einem Auszug über zwei oder mehr Seiten, mit vertauschter Empfangsreihenfolge sowie mit einer fehlenden oder doppelt gelieferten Seite. Das System sollte einen Auszug erst dann als vollständig einstufen, wenn die Seiten lückenlos vorliegen und die letzte Seite eindeutig gekennzeichnet ist. 

Darüber hinaus sollte geprüft werden, wie das System mit verspätet eintreffenden Seiten, mehrfach gelieferten Dateien und seitenbezogenen Zwischenständen umgeht. Ebenso sollte sichergestellt werden, dass bereits verarbeitete Seiten eindeutig erkannt werden und eine erneute Lieferung nicht zu einer Doppelverarbeitung führt. 

Mit den kontoführenden Banken sollte zudem geklärt werden, bei welchen Konten und Übertragungskanälen Pagination eingesetzt wird, welche Größen- oder Transaktionsgrenzen gelten und ob sich die Bereitstellungsweise im Rahmen einer anstehenden Format- oder Infrastrukturmigration verändert. 

Fazit 

Pagination ist kein neues camt-Formatmerkmal und kein Grund für allgemeine Alarmmeldungen. Sie ist jedoch eine reale, in der Praxis genutzte Option für die Übertragung großer Kontoauszüge.  

Unternehmen sollten deshalb sicherstellen, dass ihre gesamte Prozesskette – vom Bankkanal über Middleware und TMS bis zum ERP – zusammengehörige Seiten korrekt identifiziert, deren Vollständigkeit prüft und sie als einen logischen Kontoauszug verarbeitet. Gerade bei Konten mit hohen Transaktionsvolumina sollte diese Fähigkeit gezielt getestet und mit Banken sowie Systemanbietern abgestimmt werden. 

Wir danken den Mitgliedern des AK Formate im Ressort Cash & Liquidity für ihren Beitrag zu diesem Artikel.