Hand in Hand zum Erfolg: Finanzierung und Risikomanagement im Fokus der VDT-Fachtagung

Wie Unternehmen Refinanzierungen und Akquisitionen erfolgreich steuern können, stand im Mittelpunkt der gemeinsamen Fachtagung der VDT-Ressorts Equity & Debt sowie Risk Management im März 2026. Expertinnen und Experten aus Unternehmen, Banken und Beratung diskutierten Erfahrungen, aktuelle Herausforderungen, Erfolgsfaktoren und praxisnahe Lösungsansätze.

 

Unter dem Titel „Hand in Hand: Wie Finanzierung und Risikomanagement ineinandergreifen“ luden die Ressorts Equity & Debt und Risk Management des Verbands Deutscher Treasurer (VDT) am 19. März 2026 zu einer gemeinsamen Fachtagung nach Frankfurt am Main ein.

Im Fokus der Veranstaltung stand das Zusammenspiel von Finanzierung und Risikomanagement insbesondere in Refinanzierungs- und Akquisitionssituationen. Den Auftakt bildete ein Vortrag von Stephan Beil (Deutsche Bank AG), der zentrale Aspekte wie der strategischen Planung von Finanzierungen beleuchtete. In der anschließenden Paneldiskussion diskutierten Andre Scheidweiler (Schnellecke Group AG & Co. KG), Tobias Warmuth (Commerzbank AG), Oliver Dreher (Dentons Europe (Germany) GmbH & Co. KG) sowie Stephan Beil unter der Moderation von Andreas Nordhoff (Schüco International) die aktuellen Herausforderungen bei Refinanzierungen.

 

Aktuell hoher Refinanzierungsdruck

Dabei wurde deutlich, dass sich das Marktumfeld spürbar verändert hat: Höhere Zinsen und eine steigende Zahl von Insolvenzen prägen viele Branchen. Eine im Vorfeld durchgeführte Publikumsabstimmung unterstrich die Relevanz des Themas, da bei vielen Teilnehmenden in den kommenden drei Jahren Refinanzierungen anstehen. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass die Bedeutung von Kapitalmarkttransaktionen – insbesondere in Deutschland – weiterhin hinter dem Niveau der USA zurückbleibt.

Unternehmen sollten in der Regel anderthalb Jahre vor wesentlichen Fälligkeiten mit einer Refinanzierung beginnen. Dabei stehen die Analyse des Fälligkeitenprofils, der (Ziel-)Kapitalstruktur sowie der Unternehmens-individuellen Bankenpolitik im Vordergrund. Zusätzliche Relevanz könnte dieses Thema durch die schrittweise Einführung von Basel IV erhalten, da diese über steigende Eigenkapitalanforderungen der Banken zu höheren Finanzierungskosten für Unternehmen führen können. Als typische Fehlerquellen wurden insbesondere eine zu späte Auseinandersetzung mit der Refinanzierung sowie eine unzureichende Vorbereitung der Unternehmensdarstellung (einschließlich eigenen Ratings) gegenüber Banken identifiziert.

 

Treasury sollte bereits in früher Phase von M&A-Prozessen essenzielle Rolle spielen

Der zweite Themenblock widmete sich der Akquisitionsfinanzierung. Steffen Diel (ehemals SAP, Ressort Equity & Debt) eröffnete diesen mit einer Keynote zu den Anforderungen an das Treasury in M&A-Prozessen. In der anschließenden Diskussion tauschten sich Tim Nielsen (Merck KGaA), Matthias Reschke (J.P. Morgan), Vanessa Schürmann (White & Case LLP) und Steffen Diel über ihre Erfahrungen mit Finanzierungsinstrumenten entlang der gesamten Kette einer M&A-Transaktion – von der Deal-Anbahnung über Bridge-Finanzierungen bis hin zur langfristigen Ausfinanzierung – aus.

Ein zentrales Ergebnis war die essenzielle Rolle des Treasury bereits in einer frühen Phase von M&A-Prozessen. Idealerweise steht der Treasurer in engem und kontinuierlichem Austausch mit den M&A-Verantwortlichen, um strukturelle und finanzierungsseitige Überlegungen mitzugestalten. Darüber hinaus wurde empfohlen, M&A-Prozesse bereits vor einer konkreten Transaktion gedanklich und organisatorisch durchzuspielen – etwa hinsichtlich Aufgabenverteilung, Zeitplanung, Verantwortlichkeiten und der Auswahl externer Partner. Eine gezielte Vorbereitung kann dabei durch Peer-to-Peer-Austausch, fachliche Weiterbildung sowie den regelmäßigen Dialog mit Kernbanken erfolgen.

Hinsichtlich der Finanzierungsinstrumente wurde betont, wie wichtig es ist, sich frühzeitig mit den verfügbaren Optionen – etwa Akquisitionsdarlehen, Anleihen, Schuldscheindarlehen sowie Eigen- und eigenkapitalähnlichen Instrumenten – vertraut zu machen. Nur so lässt sich die notwendige Flexibilität sicherstellen, um auf sich ändernde Marktbedingungen reagieren und gleichzeitig Kosten sowie Aufwand optimieren zu können. Erfolgreiche Transaktionen basieren zudem häufig auf einem eingespielten Zusammenwirken zwischen Unternehmen, Banken und Rechtsberatern, wobei der Rückgriff auf bewährte Partner aus früheren Transaktionen hilfreich sein kann.

Aus Unternehmenssicht wurde insbesondere die Bedeutung einer klaren Kommunikationsstruktur gegenüber der Bankengruppe hervorgehoben. Eine transparente Rollenverteilung und eindeutige Zuständigkeiten helfen, unnötige Abstimmungsprozesse im oftmals dynamischen Transaktionsumfeld zu vermeiden. Angesichts des aktuellen geopolitischen und makroökonomischen Umfelds gewinnt zudem das Timing von Kapitalmarkttransaktionen weiter an Bedeutung, da sich Investorenerwartungen – etwa hinsichtlich Pricing, Laufzeiten und Vermarktungsstrategien – kurzfristig verändern können. Ein enger Austausch mit den Bankpartnern ist daher unerlässlich.

 

Risiken werden oft zu spät adressiert

Am Nachmittag rückte das Risikomanagement in den Mittelpunkt. Florian Gessert (BNP Paribas) gab zunächst Einblicke in die Anforderungen und praktische Umsetzung von Risikostrategien bei Refinanzierungs- und Akquisitionsfinanzierungen und schlug damit eine inhaltliche Brücke zu den Themen des Vormittags. In der anschließenden Paneldiskussion beleuchteten Matthias Gmach (UniCredit Bank GmbH), Corporate Treasurer Ralf-Jörg Weigold sowie Sven Walterscheidt (PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft) unter der Moderation von Torsten Bohn (Wacker Chemie AG) das Zusammenspiel von Finanzierung, Hedging und Risikomanagement.

Bereits zu Beginn der Diskussion wurde deutlich, dass Risiken in der Praxis weniger aufgrund fachlicher Fehleinschätzungen entstehen, sondern vielmehr zu spät adressiert werden. Insbesondere Covenant Headroom, Liquidität und Closing-Risiken wurden als kritische Faktoren identifiziert. Hedging-Entscheidungen ergeben sich dabei nicht isoliert aus einzelnen Marktparametern, sondern aus dem Zusammenspiel von Volatilität, Transaktionsfortschritt und finanziellen Spielräumen.

Im Kontext von Refinanzierungen hoben die Panelisten die Bedeutung klar definierter Zinsstrategien hervor, insbesondere im Hinblick auf die richtige Balance zwischen festen und variablen Zinskomponenten sowie die zunehmende Relevanz von Pre-Hedging-Ansätzen. Herausforderungen entstehen häufig dann, wenn Zinsrisiken, Währungsstrukturen, Covenants und Gegenparteirisiken nicht ganzheitlich betrachtet werden. Im Bereich der Akquisitionsfinanzierung standen insbesondere das Signing-Closing-Risiko sowie Fremdwährungsrisiken beim Kaufpreis im Fokus. Deal Contingent Hedges wurden dabei als wirkungsvolle, jedoch aufgrund ihrer individuellen Ausgestaltung komplexe Instrumente für größere Transaktionen besprochen, deren erfolgreicher Einsatz ein eng abgestimmtes Zusammenspiel zwischen Treasury, M&A, Accounting und Legal voraussetzt.

 

Finanzierung und Risikomanagement sollten von Beginn an integriert gedacht werden

In der abschließenden Fragerunde bestätigte sich das zentrale Fazit der Veranstaltung: Finanzierung und Risikomanagement entfalten ihre volle Wirkung insbesondere dann, wenn sie von Beginn an integriert gedacht und umgesetzt werden. Nur so lassen sich robuste Strukturen schaffen, die sowohl Marktvolatilität als auch regulatorische und vertragliche Anforderungen angemessen berücksichtigen.

Den Abschluss der Fachtagung bildete ein Vortrag von Dr. Christoph Willeke (Continental AG), der die Neuaufsetzung der Finanzierungsstrategie im Rahmen eines Carve-outs am Beispiel von Aumovio, der ehemaligen Automobilsparte von Continental, vorstellte.

Der VDT bedankt sich bei allen Mitwirkenden für die inhaltlich hochwertige Gestaltung der Veranstaltung sowie bei den Teilnehmenden für das durchweg positive Feedback.