EUDI Wallet: Chancen für KYC-Prozesse von Corporates und Banken

KYC-Prozesse verursachen bei Unternehmen und Banken weiterhin erheblichen Aufwand. Die European Digital Identity Wallet könnte Identifikation und Nachweisführung künftig deutlich vereinfachen. Für Corporate Treasurer eröffnet das neue Perspektiven bei Kontoeröffnungen, Stammdatenpflege und weiteren Bankprozessen. Der VDT-Arbeitskreis KYC nimmt die Entwicklung deshalb verstärkt in den Fokus.

Weniger Aufwand durch digitale Nachweise?

Know Your Customer (KYC) ist ein zentraler Bestandteil der Geschäftsbeziehung zwischen Unternehmen und Banken. Gleichzeitig sind die Prozesse häufig aufwendig: Dokumente müssen bereitgestellt und aktualisiert, Identitäten und Vertretungsberechtigungen nachgewiesen sowie Unternehmensdaten regelmäßig überprüft werden.

Mit der European Digital Identity Wallet (EUDI Wallet) könnte sich ein Teil dieser Abläufe künftig stärker digitalisieren und standardisieren. Die EU-Mitgliedstaaten sollen bis Ende 2026 mindestens eine EUDI-Wallet-Lösung bereitstellen. Der europäische Rahmen umfasst dabei grundsätzlich auch juristische Personen.

Über die Wallet sollen verifizierte Identitätsdaten und digitale Nachweise sicher gespeichert und gezielt weitergegeben werden können. Für das Bankgeschäft ist insbesondere relevant, dass geprüfte Informationen künftig digital und standardisiert bereitgestellt werden können.

Potenzial für Corporate Treasurer

Für Treasurer ergeben sich daraus verschiedene mögliche Vorteile:

  • schnellere und stärker digitalisierte Kontoeröffnungen,

  • weniger wiederkehrende Übermittlung identischer Dokumente,

  • effizientere Aktualisierung von Stammdaten,

  • standardisiertere Prozesse über Banken und Länder hinweg sowie

  • einfachere Nachweise von Identitäten und Berechtigungen.

Gerade für international tätige Unternehmen mit zahlreichen Bankverbindungen könnte dies den administrativen Aufwand deutlich reduzieren.

Die EUDI Wallet ersetzt allerdings nicht den vollständigen KYC-Prozess. Banken bleiben für ihre regulatorischen Prüf- und Sorgfaltspflichten verantwortlich. Themen wie wirtschaftlich Berechtigte, Unternehmensstrukturen oder Risikobewertungen bleiben weiterhin relevant. Die Wallet kann KYC daher vereinfachen und unterstützen, aber nicht vollständig ersetzen.

Auch Banken könnten von höherer Datenqualität und stärker automatisierten Prüfprozessen profitieren. Damit besteht auf beiden Seiten ein gemeinsames Interesse, KYC-Prozesse neu zu gestalten.

Ab 2027 steigt die Relevanz für Banken

Die eIDAS-Regulierung sieht für bestimmte private Anbieter künftig eine Akzeptanzpflicht für die EUDI Wallet vor. Dies betrifft auch Bank- und Finanzdienstleistungen, wenn für Online-Dienste eine starke Identifizierung oder Authentifizierung erforderlich ist.

Die entsprechende Verpflichtung wird grundsätzlich ab dem 24. Dezember 2027 relevant. Für Corporates besteht dagegen keine generelle Pflicht zur Nutzung der Wallet. Entscheidend wird daher sein, ob sie sich in bestehende Prozesse integrieren lässt und für Unternehmen tatsächlich einen praktischen Mehrwert bietet.

EUDI Wallet und European Business Wallet

Parallel zur EUDI Wallet entwickelt die EU mit der European Business Wallet ein weiteres Instrument speziell für Unternehmen.

Beide Initiativen sollten nicht gleichgesetzt werden. Während die EUDI Wallet auf dem bereits bestehenden europäischen Digital-Identity-Rahmen basiert, soll die Business Wallet stärker auf konkrete Geschäfts- und Verwaltungsprozesse zugeschnitten werden. Vorgesehen sind unter anderem digitale Unternehmensnachweise, der Austausch verifizierter Dokumente sowie Funktionen für Signaturen, Siegel und Vertretungsrechte.

Die Europäische Kommission hat hierzu im November 2025 einen Verordnungsvorschlag vorgelegt. Das Gesetzgebungsverfahren läuft derzeit noch. KYC wird von der Kommission ausdrücklich als ein mögliches Anwendungsfeld genannt.

Im Juni haben wir bereits einen Artikel zu der EUBW veröffentlicht. Diesen können Sie hier nachlesen. 

VDT-Arbeitskreis KYC nimmt das Thema auf

Für den VDT ist dies Anlass, die Entwicklung aktiv zu begleiten. Der Arbeitskreis KYC hat sich neu formiert und wird die EUDI Wallet sowie ihre möglichen Auswirkungen auf die Zusammenarbeit zwischen Corporates und Banken stärker in den Mittelpunkt stellen.

Daneben sollen auch die weitere Digitalisierung von KYC-Prozessen, mögliche Einsatzfelder künstlicher Intelligenz und eine stärkere Standardisierung im bestehenden KYC-Umfeld betrachtet werden.

Im Mittelpunkt stehen dabei praktische Fragen: Wo entsteht heute der größte Aufwand? Welche Nachweise könnten künftig digital bereitgestellt werden? Und welche Anforderungen haben Corporates und Banken an neue Lösungen?

Mitgliederumfrage: Ihre Einschätzung ist gefragt

Mit einer kurzen VDT-Mitgliederumfrage möchte der Arbeitskreis den aktuellen Wissensstand, Erwartungen und mögliche Anwendungsfälle besser verstehen.

Die Ergebnisse sollen helfen, den Informationsbedarf der Mitglieder zu identifizieren und den weiteren Dialog zwischen Corporates und Banken zu unterstützen.

Zur VDT-Mitgliederumfrage

Ergänzend sind ein Webinar und Podcasts geplant.

Mitglieder, die sich für das Thema interessieren und sich aktiv in die Arbeit des VDT-Arbeitskreises KYC einbringen möchten, sind ausdrücklich zur Mitwirkung eingeladen. Weitere Informationen erhalten Sie über die VDT-Geschäftsstelle.