Damit müssen Treasurer nach US-Wahlen und Koalitionsbruch rechnen
Der 6. November 2024 war für die Deutschen ein denkwürdiger Tag: Sie sind mit Donald Trump als alten neuen US-Präsidenten aufgewacht und einer zerbrochenen Koalition ins Bett gegangen. Die US-Wahlen und der Bruch der Ampel-Koalition haben auch Folgen für das Corporate Treasury.
Mittwoch, der 6. November 2024 war ein historischer Tag für Deutschland. Zum einen hatten die USA einen Tag zuvor, am 5. November, gewählt. Auch wenn noch nicht alle Stimmen am Mittwochmorgen deutscher Zeit ausgezählt waren, war schon da sicher, dass Donald Trump erneut als Präsident der Vereinigten Staaten ins Weiße Haus einziehen wird. Zum anderen ist seit vergangenem Mittwochabend klar, dass die Ampel-Koalition zerbrochen ist. Mögliche Neuwahlen stehen im Raum.
Es verwundert nicht, dass diese Geschehnisse auch Thema auf dem diesjährigen Treasury Day des Verbands Deutscher Treasurer (VDT) war, der am 7. November in Frankfurt am Main stattgefunden hat. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei ING Deutschland, dem Gastgeber des diesjährigen Treasury Day, Christiane von Berg, Head of Economic Research BeNeLux & DACH bei Coface und Marion Mühlberger, Head of European Policy Research bei der Deutsche Bank AG, sprachen mit dem Moderator Thomas Holzamer, Chef vom Dienst bei der Finanzpublikation FINANCE, über die Folgen der US-Wahlen und des Koalitionsbruchs für die deutsche Wirtschaft und das Corporate Treasury.
„Spaltung der US-Gesellschaft wird steigen“
„Donald Trump wird eine erratische, impulsgetrieben Politik machen. Er wird unberechenbar sein und eine absolute „America-first“-Politik durchziehen“, ist sich Carsten Brzeski von der ING sicher. Der künftige Präsident wird zudem nicht all seine Wahlversprechen halten können, denn Steuersenkungen, die mit einer enormen Schuldenpolitik finanziert werden dürften, und die Bekämpfung der Inflation stehen im Widerspruch zueinander. „Die Spaltung der Gesellschaft in den USA wird weiter steigen“, prognostiziert der ING-Chefvolkswirt.
Hinzukommt, dass Trump schnelle Erfolge vorweisen muss: „Die Steuererleichterungen sind schnell umzusetzen, bei den Zöllen wird es langsamer gehen“, erwartet Christiane von Berg von Coface. So will der neue Präsident die Körperschaftsteuer von 21 Prozent auf 20 Prozent senken und sogar auf 15 Prozent für diejenigen Unternehmen, die ihre Produkte im US-Inland herstellen. Sollten sich ausländische Unternehmen gegen den Produktionsstandort USA entscheiden, hat der Republikaner und künftige Präsident hingegen mit Einfuhrzöllen gedroht.
Zölle werden deutscher Wirtschaft erheblich schaden
Deutsche Exporteure, für die die USA der größte Absatzmarkt außerhalb der EU sind, würden davon betroffen sein und müssten laut ifo Institut „mit empfindlichen Einbußen“ rechnen, sollte Trump seine Drohung wahrmachen und Basiszölle von 20 Prozent auf US-Importe aus der EU und 60 Prozent auf Importe aus China erheben. „Diese Maßnahmen des erneut gewählten US-Präsidenten würden allein in Deutschland einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden von 33 Milliarden Euro bedeuten“, teilte das ifo Institut bereits am vergangenen Mittwoch mit. Die volkswirtschaftliche Forschungseinrichtung schätzt, dass „die deutschen Exporte in die USA damit um etwa 15 Prozent zurückgehen könnten“. Zusätzlich würden die Ausfuhren nach China um 10 Prozent sinken, weil Chinas Exporte in die USA massiv zurückgehen würden, hieß es in der Pressemitteilung weiter.
Marion Mühlberger von der Deutschen Bank geht davon aus, dass der deutsche Automobilsektor und der Maschinenbau die größte Verwundbarkeit hinsichtlich einer möglichen Anhebung der Zölle seitens der USA aufweisen. „Gerade in diesen Bereichen sind die deutschen Warenexporte in die USA sehr hoch“, sagte die Leiterin des europäischen Policy Research von Deutschlands größter Bank.
USA können ausländische Produkte nicht einfach selbst herstellen
Daneben dürfte auch die Pharmabranche betroffen sein: „Aber gerade diese Produkte können die Amerikaner nicht so einfach selbst machen“, ergänzte Christiane von Berg. „Wenn diese Strafzölle kommen, können sich die Pharmaunternehmen zurücklehnen, weil es keine Alternative zu ihnen gibt. Den Preis werden die Amerikaner und Amerikanerinnen bezahlen.
„Wir werden in Europa jetzt nicht das Licht ausmachen, sagte auch ING-Chefvolkswirt Brzeski. „Wenn ein Unternehmen schon vor Ort ist, wird es sich überlegen, die Produktion in den USA auszuweiten. Aus deutscher Sicht ist es aber noch nicht zu spät. Wir haben hierzulande auch Standortvorteile.“
Deutschland braucht schnell eine neue Koalition
Allerdings gibt es infolge des Bruchs der Ampelkoalition momentan ein Machtvakuum. Der Zeitpunkt für die Vertrauensfrage und mögliche Neuwahlen sind noch offen. „In den vergangenen Wochen konnten wir uns immer nur fremd schämen“, ergänzte Brzeski. „Der Koalitionsbruch ist der günstigste Ausgang für Deutschland. Wir brauchen so schnell wie möglich Sicherheit und einen Plan – einen Plan zu haben, ist besser als keinen zu haben.“ Aber Neuwahlen allein sind nicht die Lösung: „Nach den Wahlen brauchen wir sehr schnell eine neue Koalition. Erst sie bringt uns die Stabilität, die wir brauchen“, sagte von Berg abschließend.
Der VDT dankt allen Referenten und Referentinnen herzlich für ihre Unterstützung und ihr Engagement während des Treasury Day 2024.

